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Primatfernsehen

Ja, Sie sehen richtig. Das Privatfernsehen scheint immer mehr zum Primatfernsehen zu werden.

Ja, Sie denken richtig. Damit ist keineswegs die Vorrangstellung eines Primaten gemeint. Vielmehr könnte man vermuten die Zielgruppe der Fernsehmacher seien Affen. Vielleicht tut man unseren Urwaldfreunden damit Unrecht, denn so dumm sind sie nicht, und doch, die Parallelen sind eindeutig.

Schaut man sich einmal RTL an, so flimmern einem ununterbrochen zwei Figuren aus dem Urwald entgegen. Man vermutet, es seien Dick und Doof. Aber dies ist ein Trugschluss. Als Beschreibung mag es durchaus stimmen, aber so viel Witz und Charme wie Laurel und Hardy besitzen die beiden Gestalten nicht im entferntesten.

Doch nicht nur in den Tropen scheinen diese Wesen vorzukommen. Sie tauchen plötzlich in jeder einzelnen Sendung des Senders auf. Man möchte sofort wegschalten, doch Tierfreund wie man ist, denkt man, man kann es sich ja einmal anschauen, um sich ein begründetes Urteil zu bilden.

So läuft dann „Mario Barth präsentiert“ über den Bildschirm – kein sonderlich sinniger Titel, aber man erwartet auch nicht zu viel.

Und man wird bestätigt: Der Gastgeber bringt zu Beginn ein paar Scherze, die meisten sehr flach. Gut, man ist ja tolerant. Soweit, so mittelmäßig.

Plötzlich erscheint jemand, von dem man meinen könnte, er sei in den Siebzigern stehen geblieben. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkt man, es ist nur sein Denkapparat, der stehen geblieben zu sein scheint.

Atze Schröder lässt nach etwa fünf Minuten voller Prollerei, Ruhrpott-Geprotze und Show-Chauvinismus vom Zuschauer ab. Es kann nicht mehr viel schlimmer werden.

Ein bisschen schlimmer aber leider schon noch: Beim Auftritt von Horst Lichter läuft das Fass des schwer Fassbaren fast über. Die Lichter sind bei ihm wohl schon länger erloschen. Immer noch gekrümmt vor Gelächter über Atzes schale Witze, kugelt er sich auf der Couch.

Und schließlich erkennt man: Nicht nur Männer können wie Affen sein. Denn schon tritt die Prima(t)ballerina des Primatfernsehens auf.

Sonja Zietlow, geistreich wie nie zuvor (und das kann man wörtlich verstehen!). Spätestens jetzt möchte man die Fernbedienung ergreifen und wegschalten, doch schon hat sie den Mund aufgemacht und betreibt Cross-Promotion, als sei sie nicht schon in jeder der unzähligen Werbepausen in Erscheinung getreten.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Da möchte man zurückrufen: „Er ist ein Lügner, lasst ihn dort drin!“ Es ist Erbärmlich wie C- und D-Prominente versuchen ihren letzten Sternenstaub darauf zu verwenden, noch ein wenig Geld und Aufmerksamkeit zu erhaschen. Sollen sie sich doch woanders verkaufen, dort muss wenigstens niemand zusehen.

Nun erfolgt schließlich noch der Auftritt einer Gestalt, die nur noch eines mehr abschreckt als die Augen – die Ohren. Hässlich wie die Nacht und mit Worten platt wie eine Flunder versucht es den Antihelden zu mimen und scheitert kläglich. Es ist endgültig Zeit den Fernseher abzuschalten. Niemand kann behaupten ich hätte es nicht versucht, aber was zu wenig ist, ist zu wenig.

Man möchte sich vor lauter Schwachsinn betrinken und alles vergessen, doch am Schluss bleibt nur das nüchterne Fazit:

Das Primatfernsehen ist in vollem Gange und greift auf Deutschland über! Schützen Sie sich davor, ergeben sich sich nicht den Fun-Freitagen, Super-Samstagen und Sinnlos-Sonntagen, die zu Wirren-Wochen ausarten. Es ist nicht alles schlecht, aber leider vieles, schauen Sie also genau hin.

Ansonsten ist immer noch das gute alte öffentlich-rechtliche Programm da. Zwar teilweise eingestaubt, aber mit Modernisierungsmaßnahmen renoviert, bietet Ihnen dieses die höchste TV-Qualität. Sehen Sie sich also vor und sehen Sie nach, was Sie sehen. Werden Sie der Primat des Fernsehens.

So, da wären wir also, angekommen bei den new kids on the blog. Wie ihr bereits der überaus geistreichen Überschrift dieses Eintrags entnehmen könnt, spiele ich gern mit Worten. Dabei werde ich in Zukunft auf allerlei Themen eingehen, die es wert sind näher betrachtet zu werden. Ich werde mich auseinandersetzen mit Politik, Kultur, Medien oder was auch immer sonst wichtig sein mag.

Seid gespannt welch komische Kreativität und grenzenlose Genialität euch hier erwarten wird. Niemand wird gezwungen meine Meinung zu teilen, ich möchte die Dinge lediglich beleuchten, niemals verbissen, sondern mit einem Zwinkern zwischen den Zeilen.

Bis blog!